Ausgangspunkt der Überlegungen waren die Annahmen,
- dass mediengestütztes Lernen die Behaltensleistung erhöht
- dass mediengestütztes Lernen die Möglichkeiten zur Individualisierung von Lernprozessen (Ort, Zeit, Tempo) erhöht
- dass mediengestütztes Lernen die Prozesse konstruktivistischen Lernens fördert
- dass mediengestütztes Lernen die Prozesse eigenverantwortlichen Arbeitens fördert
- dass Mediennutzung und Medienbeurteilung wesentliche Eckpunkte einer gelungenen Sozialisation und Personalisation sind
Eine Bestandsaufnahme im Jahr 1999 ergab als Folge unkoordinierter Prozesse des Lehrens und Lernens mit neuen Medien:
- dass die Lernstände der Schülerinnen und Schüler sehr heterogen waren
- dass Lehrende aufgrund dieser Heterogenität zu erheblichen Binnendifferenzierungen gezwungen waren
- dass Lern- und Übungsprozesse aufgrund der Heterogenität oft ohne Nutzung des Medium Computer als effektiver empfunden wurden
- dass insbesondere bei Schulformwechsel und Klassenwiederholung erhebliche Probleme durch fehlende Kontinuität und mangelnde Koordination beklagt wurde
- dass die Qualifizierungsbedarfe der Lehrenden zu unterschiedlich waren
- dass die Qualifizierung der Lehrenden unnötig kostenintensiv war
- dass die sächliche Ausstattung der Schulen zu unterschiedlich war
- dass als Folge dieser Heterogenität Erweiterung und Wartung der sächlichen Ausstattung unnötig kostenintensiv war.
Als Grundsatzentscheidung fasst die gemeinsame Konferenz der Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulen des Schulträgers Hennef im Frühsommer 2000 nach entsprechender Beratung folgende Zielvereinbarung:
- Die Aktivitäten der Schulen des Schulträgers Hennef werden in allen Belangen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien gebündelt unter der Bezeichnung "Hennefer Medienkompetenz Modell, HMkM"
- Eckpfeiler des HMkM sind Standardisierung und Zertifizierung.
- Die notwendigen konzeptionellen und organisatorischen Arbeiten zur Umsetzung des HMkM übernehmen die "HMkM-Koordinatoren" der beteiligten Schulen. In regelmäßigen Abständen finden gemeinsame Konferenzen mit den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie mit Vertretern des Schulträgers statt.
Als zentrale Zielvorgabe wird festgelegt:
- Optimierung von Lehr- und Lernprozessen
- Zertifizierung am Ende der Primarstufe
- Zertifizierung am Ende der Erprobungsstufe bzw. der Eingangsstufe der Gesamtschule
Als zentrale Unterstützungsinstrumente wurden initiiert:
- die Kooperation mit dem e-team Rhein-Sieg-Kreis
- die Kooperation mit dem Kompetenzteam Rhein-Sieg-Kreis
- die Kooperation mit der Lehrerfortbildung der unteren Schulaufsicht
- die Kooperation mit der Medienberatung der Bezirksregierung Köln
- die Kooperation mit der Volkshochschule Rhein-Sieg
Die Verleihung der Zertifikate findet erstmals statt am Ende des Schuljahres 2001/2002. 1100 Schülerinnen und Schüler erhalten das begehrte Zertifikat sowie ein eigens hierzu geschaffenes Mauspad (Sponsor: Sparkasse Hennef). An der Verleihungsfeier im Gymnasium Hennef nehmen neben 500 ausgewählten Schülerinnen und Schülern auch der Bürgermeister der Stadt Hennef und weitere Vertreter des Schulträgers sowie der zuständige Schulamtsdirektor des Rhein-Sieg Kreises (Winterscheid) und der zuständige leitende Regierungsschuldirektor der Bezirksregierung Köln (Löwenbrück) teil.
Standardisierung als Eckpfeiler des HMkM:
Die aktuelle bildungspolitische Diskussion in Deutschland macht deutlich, welche zentrale Bedeutung einer Standardisierung zukommt. Gerade an Übergangsstellen zwischen Schulformen und beim Übergang in Ausbildung, Beruf oder Studium sind verlässliche und aussagekräftige Informationen über Fertigkeiten und Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern von besonderer Bedeutung.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion über die Kostenentwicklung schulischer IT-Systeme, welche enorme kostensenkende Bedeutung einer Standardisierung der Hardware und Software zukommt, insbesondere mit Blick auf Wartungskosten.
Standardisierung der Ausstattung:
Seit Beginn 1999 beraten alle Schulen gemeinsam über zentrale sächliche Anschaffungen: In jedem Jahr werden prinzipiell nur ein Typ von Klassenraumcomputern und ein Typ von Computerraumrechnern angeschafft. Alle Computer sind prinzipiell mit einer Protektorkarte gegen Manipulation gesichert.
Standardisierung der Qualifizierung der Lehrenden:
Erste Bemühungen einer gemeinsamen und an vereinbarten Standards orientierten Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer beginnen im Jahr 1998 im Rahmen des KIRPP-Modellprojektes der Bezirksregierung Köln (unter der Leitung von Karl-Heinz Assenmacher, Medienberater im e-teamRSK). Projektteilnehmer der Hauptschule und des Gymnasiums nehmen an gemeinsamen Fortbildungen teil und entwickeln erste gemeinsame Unterrichtsideen. Mit Beginn des HMkM kooperieren insbesondere Lehrerinnen und Lehrer der Grundschulen in Fragen der Fortbildung (unter Leitung von Frau Heike Kaiser, Moderatorin im e-teamRSK) und in Fragen der Medienkonzeptentwicklung (unter der Leitung von Frau Edda Walter, Medienberaterin im e-teamRSK).
Ein entscheidender Durchbruch in den Bemühungen um Standardisierung gelingt ab 2000 durch Kooperation mit der VHS Rhein-Sieg. Zunächst nehmen die Lehrerinnen und Lehrer an dem Kurs "e-card.nrw" teil, in einigen Schulen mehr als die Hälfte aller Lehrenden. Mit Beginn des Schuljahres 2002/2003 folgen Angebote, die auf konkrete Nachfragen von Teilkollegien reagieren, ab Schuljahresbeginn 2003/2004 folgt ein modulares Angebot, das präzise abgestimmt ist auf die Standardisierungsabsprachen der HMkM-Schulen.
Standardisierung der Unterrichtsinhalte und Lernziele:
Aufgrund der anfangs vorhandenen unterschiedlichen sächlichen Voraussetzungen und aufgrund unterschiedlicher Zielvorstellungen erweist sich die Standardisierung von Inhalten und Methoden als schwierig. Das Kernproblem liegt hierbei nicht in der Einsicht in den Sinn von Standardisierung und in der Festlegung von obligatorischen und fakultativen Elementen, sondern in der Umsetzung von gemeinsamen Beschlüssen durch alle (!) Unterrichtenden.
Zum Erfolg der Standardisierungsvorgaben tragen inzwischen wesentlich die gemeinsamen Qualifizierungsmaßnahmen, die positiven Unterrichtserfahrungen und die zunehmende Identifikation aller beteiligten mit dem HMkM teil.
Wesentliches Merkmal der Standardisierungsvereinbarungen ist die Orientierung an den fächerverbindenden Kriterien:
- Recherchieren
- Kommunizieren
- Produzieren
- Präsentieren
Die Schulen des HMkM basieren hier auf positiven Erfahrungen des KIRPP-Modell-Projektes und folgen den Empfehlungen des e-teamRSK. Grundannahme ist, dass Lernende im Sinne Piagets eine Dilemma-Situation erfahren und selbsttätig eine Problemlösung anstreben sollen: analoge und digitale Medien, offline-Medien und online-Medien dienen der Suche nach Antworten (Recherchieren).
Ist die Antwort noch nicht ausreichen, wird die Suche durch Telefonate, Faxe, E-Mails und Videkonferenzen ergänzt (Kommunizieren).
Die Ergebnisse von Recherche und Kommunikation werden in einem einem Text, einer Tabelle, einer Berechnung einer Grafik, einem Tondokument zusammengestellt (Produzieren).
Die Ergebnisse des Produktionsprozesses werden dann als mediengestützter Vortrag einem Publikum vorgestellt (Präsentieren).
Dieses Grundschema hat sich inzwischen sehr bewährt. Es findet seinen Niederschlag in den Medienkonzepten der HMkM-Schulen, aber auch in zunehmend in der mediendidaktischen Diskussion außerhalb des HMkM. Umfangreichere Überlegungen zur Didaktik und Methodik finden sich in einer Publikation der "e-nitiative.nrw" mit dem Titel "Lernen in der Medienecke".
Die konkreten HMkM-Standardisierungen sind erstmals fixiert in der Vereinbarung vom Sommer 2000. Vereinbarungen ansehen: standard-2000.pdf
Eine Überarbeitung findet sich in den Vereinbarungen, die erstmals ab Schuljahr 2003-2004 gelten. Eine weitere Überarbeitung findet 2008/09 statt.
Zertifizierung als Eckpfeiler des HMkM:
Die aktuelle bildungspolitische Diskussion in Deutschland macht deutlich, welche zentrale Bedeutung einer Lernstandsmessung zukommt. Lehrende, Lernende und Eltern benötigen präzise Informationen über Erreichtes. Bei Bewerbungen um Ausbildungsplätze und Studienplätze wird der Ruf nach eindeutigen und aussagkräftigen Informationen über Fähigkeiten und Erfahrungen immer öfter hörbar.
Gleichzeitig zeigen nationale und internationale Erfahrungen, dass Testung und Zertifizierung durchaus auch als leistungsmotivierend empfunden werden.
Die HMkM-Zertifizierung basiert auf zwei Säulen: dem Computerpass und dem Zertifikat.
Computerpass:
Schülerinnen und Schüler aller HMkM-Schulen erhalten einen so genannten Computerpass, in dem alle erreichten Lernziele nachgewiesen werden. Dieser Computerpass wird am Ende der Primarstufe an die Klassenlehrerinnen Klassenlehrer der weiterführenden Schulen übergeben. Über die Inhalte des Computerpasses beraten die zuständigen HMkM-Koordinatoren zu Beginn jeden Schuljahres neu, um ggf. Anpassungen an veränderte Lernsituationen vorzuschlagen.
Zur Zeit werden Computerpässe für die die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 3/4, 5/6 und 8/9 verwendet.
Die Computerpässe werden regelmäßig überarbeitet. Nachfolgend die aktuellen Versionen (Stand 2008):
Gemeinsames Titelblatt
Computerpass Stufe I
Computerpass Stufe II
Computerpass Stufe III



Grundlagen

